African Wax Print
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Was ist African Wax Print? (1 von 5)

NEU: English Version below

African Wax Print – mal Trend, mal nicht, mal zu bunt und laut und mal einfach nicht Thema auf unserem Kontinent. Diskussion hin oder her, ich mag diese Stoffe einfach sehr und lasse mich von der farbigen Fröhlichkeit gern anstecken. Vielleicht gelingt es mir, diesen Funken auch auf Euch zu übertragen. Gemeinsam mit Truefabrics startet hier und heute eine kleine Blogserie zum Thema African Wax Print. Und einige Details zu den Stoffen werden Euch sicher überraschen – sie sind eben einfach etwas Besonderes.
Nun aber los.

Wie alles begann

Mich faszinieren diese Stoffe, seitdem ich sie bei Lena Hoschek 2015 in ihrer Kollektion „Mama Africa“ das erstmal gesehen habe.
Vorher kannte ich diese Stoffe zwar, aber eher aus alternativen Weltläden und nach Räucherstäbchen duftenden „Ökoläden“. Also meine Wahrnehmung dieser Stoffe war eine komplett andere als heute. Die Kollektion von Lena Hoschek hat mich und meinen Mann so beeindruckt, dass schnell klar war, der African Wax Print Pencilskirt wird mein Hochzeitsrock. So war es. Ich habe in Las Vegas in diesem grandiosen Rock geheiratet. Damit fing die Liebe an.


Da mir die Welt der African Wax Prints bis dahin komplett unbekannt war, ich mir dazu aber mittlerweile Einiges angelesen, eine Menge mit diesen Stoffen ausprobiert habe, will ich Euch mitnehmen und die Faszination, die für mich von diesen Stoffen ausgeht, teilen.

Und am besten starten wir mit der ganz einfach Frage:

 

Was ist eigentlich African Wax Print?


Überschrift des Kapitel: Was ist African Wax Print?

 

Also, ganz eigentlich trägt diese Art der Stoffe die Bezeichnung „Ankara“. Aber sie werden oft auch „African Prints“, „African Wax Prints“, „Holland Wax“ und „DutchWax“ genannt. Sie meinen jedoch alle das Gleiche: 100%ige Baumwollstoffe, die in einem aufwändigen Verfahren (heute industrialisiert) bedruckt werden.

Strahlende und leuchtende Farben vorne und hinten

Das wesentliche Merkmal ist, dass die Farbgebung sehr intensiv ist, die Muster sehr vollflächig auf dem Stoff verteilt sind und die Vorder- und Rückseite sich nicht unterscheiden, sondern gleich intensiv strahlen. Das liegt an dem besonderen Verfahren, wie diese Stoffe zu ihrer Farbe gelangen.

Unkonventionelle Stoffbreite für uns Nähnerds

Außerdem liegen die Stoffe nicht so breit, wie wir vielleicht gewöhnt sind. Denn statt mit einer 140er oder 150er Breite kommen die African Wax Prints eher mit einer 120er oder 110er Breite daher. Das birgt einige Einschränkungen bei der Größe der Schnittmuster mit sich bzw. müssen größere Schnittteile manchmal gestückelt werden.
Was mich aber noch beim ersten Kauf von African Wax Print besonders erstaunt hat war nicht die Breite sondern die Länge: Es gibt ihn selten als wirkliche Meterware, sondern eher als fertiges Stoffbündel (Coupons) mit einer Länge von 6 Yards („half piece“ =5,49m) oder 12 Yards („fullpiece“ = 10,97m). Warum das so ist, habe ich noch nicht herausgefunden.  Aber ich bleibe dran, vielleicht gibt es bald eine Antwort darauf.


Webkanten als versuchter Schutz vor Nachahmung

Auf der Webkante ist, wie bei anderen Stoffen auch,meist der Hersteller und die Produktbezeichnung und die Registrierungsnummer des Designs aufgedruckt – das soll zumindestens etwas vor Nachahmung und Imitation schützen, eines der Hauptprobleme auf dem African Wax Markt.
African Wax Print Webkante

100% Baumwolle in Leinwandbindung

Die Bindungsart des Baumwollstoffes konnte ich mir dank des Workshops beim letzten Nähbloggertreffen hier in Köln ja unter dem Fadenprüfer ansehen, scheint eine einfache Leinwandbindung zu sein. Die anderen Wax Prints, die ich hier zuhause habe, sind genauso gewoben.
Und die Fragen, die sich Menschen mit einem gesunden Nachhaltigkeitsbewusstein wie ich natürlich stellen:

Wo kommt African Wax Print her?


Überschrift Wo kommen die Stoffe her?

Wer produziert diese Stoffe? Und wie transparent ist die Fertigungskette? Das habe ich mal Colin Bien, Gründer und Geschäftsführer von und bei truefabrics.de gefragt.
img_0124.png
Wo die Stoffe eigentlichen herkommen? Nun ja, das wird die meisten erst mal überraschen, denn zumindest historisch gesehen, kommen sie gar nicht aus Afrika. Obwohl die Wax Prints als “afrikanisch” gelten, sind sie das Ergebnis eines komplexen Wechselspiels von Kolonialismus, Globalisierung und kulturellen Missverständnissen. Im 19. Jahrhundert waren es afrikanische Soldaten der niederländischen Ostindien-Kompanie aus Java (Indonesien), die erstmals die Stoffe als Import-Ware bzw. Geschenke über den Seeweg einführten. Die bunten und handgefertigten Batiken erfreuten sich großer Beliebtheit an der afrikanischen Westküste, was europäische Händler, insbesondere aus den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz, dazu veranlasste, kostengünstige Imitate der Java-Stoffe für den afrikanischen Markt zu produzieren. Erst später wurden die Stoffe auch in Afrika selber hergestellt und unter dem Einfluss verschiedener afrikanischer Kulturen weiterentwickelt. 
Ursprung des African Wax Prints - Batikstoffe aus Java
Leider gibt es heute kaum noch afrikanische Hersteller, was mich zu deiner zweiten Frage bringt: wer produziert die Stoffe eigentlich? Einer der ältesten und vor allem der größte Hersteller weltweit ist Vlisco, ein holländisches Unternehmen, weshalb häufig auch von „Holland-Wax“ oder „Dutch Wax“ gesprochen wird. Das Unternehmen produziert wirklich hochwertige Stoffe, die aber nicht so wirklich viel mit Afrika zu tun haben. 
 
02-2018-Vlisco-Screenshot-Website

Was die Situation der „African Wax Prints“ dramatisch verschlimmert  hat ist, dass fern-östliche Imitationen (vornehmlich Chinesische) den afrikanischen Markt in den letzten Jahren überschwemmt haben, was beinahe zum kompletten Zerfall der afrikanischen Textilindustrie geführt hat.

Die Muster der Imitationen werden, wie es der Name sagt, von beliebten Original-Stoffen auf den Märkten in Westafrika abgeguckt, die Produktion aber erfolgt in China zu minderwertiger Qualität. Meist wird die Fälscher-Ware vorbei an Zöllen und Steuern der afrikanischen Ländern importiert und liegt später, um ein vielfaches günstiger, auf den Märkten Westafrikas. 

 
Somit ist es schon was Besonderes, wenn man wie wir, echte afrikanische Stoffe von einem der ältesten und letzten Lieferanten aus Afrika anbieten kann. Der Weltspiegel hat eine gute Fernsehreportage zu der Problematik veröffentlicht.  

 

02-2018-truefabrics.png

 


 

Danke Colin für so viele super Hintergrundinformationen. Ich finde das sehr spannend und wie immer bei dem Thema Fair Trade und Nachhaltigkeit macht es mich betroffen, wie hart auch der globale Stoff-Markt in die Kultur eines ganzen Kontinents und dessen Werten eingreift.

 

Ihr wollt noch mehr über African Wax Print wissen? Stay tuned!

In den kommenden Wochen und Monaten gehen wir der Herstellungsweise, der Symbolkraft und der Alltagstauglichkeit der bunten Stoffe auf den Grund.

Mein Tipp:

  1. Abonniere meinen Blog oder folge mir auf Instagram, dann kannst Du nix verpassen. Und das gute ist, dort finden auch tolle andere Themen rund ums Nähen statt.
  2. Schaut auch bei Truefabrics.de vorbei und lasst Euch von den wundervollen echten African Wax Prints verzaubern.

So, und jetzt zum Abschluss nochmal alle kommenden Themen im Überblick:


02-2018-3Kapitel 1. Was ist eigentlich African Wax Print und wo kommt er her?

2. Wie wird African Wax Print hergestellt?

3. Woran erkenne ich einen echten African Wax Print beim Kauf?

4. Wie wird African Wax Print alltagstauglich oder was lässt sich alles wunderbar daraus machen.

5. Und das beste zum Schluss – LINKPARTYYY:)


Ich hoffe, es ist für Euch genauso spannend wie für mich. Ich nehme auch gern Eure Fragen oder Anregungen in diese Blogpostserie auf. Nutzt einfach die Kommentarfunktion oder schreibt mir auf Instagram.
Herzlichst
Eure
lovewhatyoudo-3
**
Das ist eine Kooperation, bei der ich kein Geld oder Sonstiges im Austausch bekomme. Ich habe Colin Bien einfach angeschrieben, ob er Lust hat, diese Serie mit mir zu machen. So hat er sich bereit erklärt, mir Rede und Antwort zu stehen. Alle Nennungen sind durch mich redaktioniert und zeigen meine Meinung und Geschmack va. bei der Stoffwahl.
**
*******

Literatur & Quellen, die ich bei meiner Recherche hilfreich fand:



For my english speaking Followers

What is African Wax Print – 1 of 5 Posts

African Wax Print – trend fashion fabric, loud, colorfull – sometimes too much colors and obviously not that big hot topic in our country.  But I love these fabrics so much, and thy make me happy. Maybe I can infect you with that Happiness. In Cooperation with Truefabrics.de I start a blog series about African Wax Prints. There will be a lot of surprising details that comes with the history but also with the production process.
Let´s start.

Once upon a time …

I started to look for African Wax Print when Lena Hoschek launched her collection „Mama Africa“ in 2015. It looked so beautiful and colorful, and I falled totally in love!
So I got married in one of the wonderful Lena Hoschek skirts made from African Wax Print and I will always remember that awesome feeling. The big love started – not just with the fabrics ;).
Since 2015 I read a lot about African Wax Print, tryed a lot with these fabrics and want to share my knowledge with you.

We can start today with the simple question:

What is African Wax Print?

African Wax Print, also called „Ankara“, „African Prints“, „Holland Wax“ or „Dutch WAx“ , means a 100% cotton fabric with a lot of brightful colors. The production of African Wax Print is very special and complicate, so that makes the fabric so precious.

Brightful colors on the frontside and backside

One of the main characteristics of African Wax Print are the intensive colors and the big patterns on the front- and backside. You can´t see a difference between the right and the left side of the fabric – they will look the same.

Unconventional width

We always buy our fabrics with a width of 140 cm or 150 cm. African Wax print is more like patchwork fabrics – it comes with a width of 120 cm oder just 110 cm. That will challenge you when you want to cut out big patterns, sometimes you will need to become creative with that. But instead of having a full width, the fabric is often sold as coupon. That means, you will get 6 or more meters in one „coupon“.

Selvedge prints as protection against imitation

On the selvedge usually the manufacturer and the product registration number of the design are printed – this should at least protect against imitation, one of the main problems in the African Wax market.

Thanks to the workshop at the last sewing blogger meeting here in Cologne, I could look at the binding style of the cotton fabric under the thread checker, it seems to be a simple plain weave.

 

In times of sustainablity and global responsibility there is one important question for me left:

Where does the African Wax Prints come from?

I gave this question to Colin Bien, founder and managing director of truefabrics.de. Here is his interesting answer:

Where do the fabrics actually come from? Well, that will surprise most, because at least historically, they do not come from Africa at all. Although Wax Prints are considered „African,“ they are the result of a complex interplay of colonialism, globalization, and cultural misunderstandings. In the 19th century, it were African soldiers from the Dutch East India Company from Java (Indonesia) who first imported the materials as import goods or gifts by sea. The colorful and handmade batiks enjoyed great popularity on the West African coast, causing European traders, particularly from the Netherlands, the UK and Switzerland, to produce low-cost imitations of Java fabrics for the African market. Only later were the fabrics produced in Africa itself and developed under the influence of various African cultures.

Unfortunately, there are hardly any African manufacturers today, which brings me to your second question: who actually produces the fabrics? One of the oldest and, above all, the largest manufacturer in the world is Vlisco, a Dutch company, which is why it is often referred to as „Holland Wax“ or „Dutch Wax“. The company produces really high-quality fabrics, but they do not really have much to do with Africa.

What has dramatically exacerbated the situation of „African Wax Prints“ is that Far Eastern imitations (notably Chinese) have flooded the African market in recent years, almost leading to the complete collapse of the African textile industry. The patterns of imitations are, as the name suggests, taken from popular original fabrics in West African markets, but production is inferior in China. Most of the counterfeit goods are imported past customs and taxes in African countries and later, many times cheaper, in West African markets. So it is very special if, like us, you can offer real African fabrics from one of the oldest and last African suppliers. Der Weltspiegel has published a good TV report on the problem.


 

Thank you Colin for so much great background information. I find that very exciting and, as always with the issue of fair trade and sustainability, it affects me how hard the global fabric market is in the culture of a whole continent and its values.

You want to know more about African Wax Print?

In the coming weeks and months, we will get to the bottom of the production method, the symbolic power and the everyday wearability of the colorful fabrics.

  1. Subscribe to my blog or follow me on Instagram, then you can not miss anything. And the good thing is, there are also great other topics around sewing.
  2. Also visit Truefabrics.de and let yourself be enchanted by the wonderful real African wax prints.

So, and now finally again all upcoming topics at a overview:

1. What is African Wax Print and where does it come from?

2. How is African Wax Print made?

3. How do I recognize a real African Wax Print when buying?

4. How is African Wax Print werable for everyday use or what makes it wonderful?

5. And the best for last – Linkpartyyy:)

I hope it’s just as exciting for you as it is for me. I also like to include your questions or suggestions in this blog post series. Just use the comment feature or write me on Instagram.

Sincerely Your

lovewhatyoudo-3

**
This is a cooperation in which I get no money or other in exchange. I simply wrote to Colin Bien if he would like to do this series with me. So he agreed to answer my questions. All entries are edited by me and show my opinion and taste, especially in the choice of materials.
**

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5 Kommentare

    • Ja ich auch 😂 nein aber im Ernst, danke und es ist einfach wirklich spannend und einige Dinge wie die Herstellung wirklich überraschend…nach Karneval starten die Vorbereitungen für den zweiten Post und dann schau ich mal, wie schnell ich bin;) LG, Anne

      Gefällt mir

  1. Pingback: So wird African Wax Print hergestellt (2 von 5) | Cut Sew Love

  2. Hallo Anne,

    das ist ja ein super spannendes Thema. Ich habe auch ein paar dieser Stoffe (eine liebe Freundin hat mir vor einigen Jahren aus Benin welche mitgebracht). Ich mag es total, wie bunt und farbenfroh die Stoffe sind und hab schon einiges davon für Taschen oder Portmonees vernäht. Ein besonders großes Stück mit schönem Druck, das ich noch nicht angeschnitten habe, kommt manchmal im Sommer auch als Tischdecke auf den Tisch… 😉

    Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die nächsten Teile der Serie!

    Lieben Gruße aus Köln in Bergische!
    Annika

    Gefällt 1 Person

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